Gießerei Schmees als „Kunstschmiede“

Skulptur Lugano von Tony Cragg.

Diese 6,10 Meter hohe Skulptur von Tony Cragg wurde jetzt im schweizerischen Lugano aufgestellt.

Der Zweigbetrieb der Langenfelder Edelstahlwerke fertig Skulpturen von Künstlern wie Jeff Koons oder Tony Cragg. Sie bauen auf Schmees als Kunstschmiede.

„Aus der Not eine Tugend machen“ – mit diesem Spruch ließe sich erklären, warum der sächsische Zweigbetrieb, der mehr als 50 Jahre alten Langenfelder Gießerei, mit Schmees als Kunstschmiede in der Art-Szene zum Begriff wird. Betriebswirtschaftlich lautet die Erklärung von Clemens Schmees (57), in der zweiten Generation Chef der Edelstahlwerke, vereinfacht: „Wir sind Handwerker unter den Gießereien und erhalten Aufträge, die außer uns fast niemand kann.“ Denn unter dem Druck der Billigkonkurrenz aus Fernost und steigenden Umweltauflagen ist mit dem Massengeschäft kein Geld mehr zu verdienen. Speziell im 1992 übernommenen Zweigwerk in Pirna nutzt der umtriebige Langenfelder Unternehmer die räumlichen Möglichkeiten, sich dieser interessanten Angebotsnische zu widmen.

Wir erhalten Aufträge, die außer uns fast niemand kann. (Clemens Schmees, GF Edelstahlwerke Schmees)

Im gelernten Modelltischler Johann Unglaub (49), seit 1996 Geschäftsführer in Pirna, fand Schmees einen optimalen Partner für seine Ideen und seine Liebe zur Kunst. Der Brite Tony Cragg und der US Amerikaner Jeff Koons sind inzwischen Auftraggeber; Namen, die in der Kunstwelt ein Zungenschnalzen auslösen. Koons gilt seit dem 12. November 2013 mit der Versteigerung eines Balloon Dogs für 58,4 Millionen US-Dollar im New Yorker Auktionshaus Christie’s als der teuerste lebende Künstler der Welt.

Gegossene Kunst stelle höchste Anforderungen, betont Schmees. „Es geht dabei stets darum, die individuellen Vorstellungen des Künstlers am Objekt zu realisieren.“ Dazu seien handwerkliches Geschick, technisches Know-how, künstlerische Affinität und Liebe zum Detail erforderlich. Die genannten Bildhauer seien sehr anspruchsvolle Vertragspartner, merkt Unglaub an. „Das sind für uns die schwierigsten Aufträge überhaupt. Gefordert sind dabei absolut fehlerfreie Spiegelungen aus allen Blickrichtungen.“ Die Herstellung beginnt mit aufeinander geleimten Sperrholzplatten aus denen Gussformen entstehen, in die 1600 Grad glühender Stahl fließt. Mehr als 4000 Arbeitsstunden stecken zum Beispiel in der 6,10 Meter hohen und sechs Tonnen schweren Skulptur Craggs, die vor wenigen Tagen nach Lugano verfrachtet wurde.

Das erste von der Firma Arnold bei Schmees in Auftrag gegebene Jeff-Koons-Werk, die 6,5 Tonnen schwere Plastik „Balloon Flower“ mit ihren roten Spiegelflächen steht in einem Park in New York am „Ground Zero“, Im schwedischen Helsingør am Öresund steht das männliche Gegenstück zur berühmten Kopenhagener Meerjungfrau von Elmgreen und Dragset. Wer ein bei Schmees entstandenes Kunstwerk in Langenfeld sehen will, findet entweder den „Weltenspiegel“ von Professor Horst Gläsker auf dem Platz vor der Richrather Kirche St. Martin oder das Wandrelief „Chaos und Ordnung“ am Kulturzentrum in der Innenstadt.

Artikel erschienen in der : Rheinischen Post, Ausgabe 05.01.2015
Text: Martin Mönikes

Fotos: Schmees / Michael Richter

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