Meerjüngling aus Langenfeld

Die weltberühmte kleine Meerjungfrau im Hafen von Kopenhagen hat viele Verehrer. Doch niemand umgarnt die immerhin 99 Jahre alte Figur so wie der strahlende Jüngling, der ihr jetzt vom 38 Kilometer entfernten Helsingör aus stündlich mit dem Auge zublinzelt, Seine Wiege stand in Langenfeld, genauer: in der Gießerei der Edelstahlwerke Schmees. Dort nämlich wurde die von dem dänischnorwegischen Künstlerduo Michael Elmgreen und Ingar Dragset geschaffene und etwa 800 Kilogramm schwere Skulptur „Han“ (Dänisch für „er“) gegossen. „Damit haben wir doch einen schönen Beitrag zum diesjährigen Langenfelder Ländermotto ,Dänemark‘ geleistet, meinte Carla Schmees, die Ehefrau des Firmenchefs.

Für die Herstellung des dem Vernehmen nach insgesamt 400 000 Euro teuren Kunstwerks hatten Elmgreen und Dragset die Firma Schmees wegen deren Erfahrung im Kunstguss aus Edelstahl ausgewählt. Als ,,besondere Herausforderung“ bezeichnete Clemens Schmees die Aufgabe einer „verzerrfreien und hochglanzpolierten Oberflächenspiegelung. Diese wurde in reiner Handarbeit mit mehr als 2500 Stunden allein für das Polieren erreicht.“ Bei dieser abschließenden Feinarbeit im Schmees Zweigwerk Pirna sei sogar eine Zahnbürste zum Einsatz gekommen. Die am Öresund (Übergang von der Nord zur Ostsee) gelegene Stadt Helelsingör hatte dem Künstlerduo den Auftrag für dieses Monument erteilt. Es ziert nun als Wahrzeichen den zur Kulturmeile umgewandelten Industriehafen; unweit von Schloss Kronberg, dem zentralen Ort von Shakespeares „Hamlet“. Um keine starre Skulptur zu erhalten, wurde ein besonderer Mechanismus in den Augen eingebaut: So blinzelt der Meerjüngling in Richtung der Kopenhagener Meerjungfrau.

Clemens Schmees, der gemeinsam mit dem Pirnaer Geschäftsführer Johann Unglaub zur Enthüllung nach Helsingör gereist war, äußerte sich begeistert: ,,Der Jüngling war eine der größten gießtechnischen und handwerklichen Herausforderungen seit Bestehen unserer Firma.“ Das Ergebnis sei überragend. ,,Die Skulptur leuchtet und funkelt wie ein Diamant.“ Bei einem Empfang des Bürgermeisters Johannes HechtNielsen hätten sich die beiden Künstler ausdrücklich bei dem Langenfelder Familienunternehmen für die ,,vorbildliche Zusammenarbeit“ bedankt. Das in Berlin (Dragset} und London (Elmgreen} wohnende Duo erlangte durch zahlreiche Werke Berühmtheit, etwa auch auf der Biennale 2007. Auf dem Trafalgar Square in London errichteten sie eine besondere Skulptur: einen Jungen auf einem Schaukelpferd.

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Pressebericht Rheinische Post vom 12.06.2012

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Letzte Änderung: 18.06.12